WYSIWYG


© Wolfgang Herbst
Spring 2014
Vienna/Austria

Media Art

Das Projekt WYSIWIG ist eine Form von Medienaktionismus. Der Begriff WYSIWIG ist ein Akronym aus der EDV-Sprache und erlangte in den 90er Jahren als Marketingschlagwort der Computerfirma Apple allgemeine Bekanntheit – zumindest bei den Steve-Jobs-Jüngern. Es ist die Abkürzung für „What You See Is What You Get“. Gemeint ist damit, dass ein Dokument am Computerbildschirm genauso dargestellt wird, wie es später bei der Ausgabe aussieht – was in den 90er Jahren noch keineswegs selbstverständlich war.

Während der jüngsten Ereignisse in der Ukraine, im Frühjahr 2014(siehe auch: Die Ukraine-Krise – Eine Zusammenfassung), und dem darauf folgenden Tauziehen um die Krim, herrscht kein Mangel an Nachrichten und Medienberichten aller Art. Ein Begriff, der dabei kaum Erwähnung findet, geschweige denn, dass er noch als „realpolitisch relevante“ Option in die Diskussion eingebracht wird, ist der Begriff „Frieden“. Es ist nur die Rede von Sanktionen, Manövern, Blockaden und ähnlichen, feindlich gesinnten, Begriffen – auf beiden Seiten natürlich. Da gibt es weder hier noch da etwas zu beschönigen.

Ich lebe in Österreich, in einem Land, das immer noch als „neutral“ gilt, obwohl es mittlerweile der EU und somit auch indirekt dem NATO-Bündnis angehört. Auch wenn hierzulande sehr eifrig dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 gedacht wird (der staatliche Rundfunksender ORF hat zum Beispiel in seinem Bildungsprogramm Ö1 einen umfassenden Sendungsschwerpunkt), ist „Frieden“ bzw. das Bemühen um denselben nicht gerade das zentrale Thema in der allgemeinen Wahrnehmung bzw. medialen Diskussion. Vielmehr vermittelt sich der Eindruck von Drohgebärden und Abschreckung, ganz in der Tradition des „Kalten Krieges“.

Dieses mediale Umfeld ist für mich die Motivation künstlerisch zu intervenieren, um etwas zurück ins Bewusstsein zu holen, was in Vergessenheit zu geraten droht – nämlich die Möglichkeit des friedlichen Dialogs und zwar in medialer Hinsicht, nicht in diplomatischer (was dort passiert, entzieht sich meiner Kenntnis). In einer Zeit, die man getrost als das Medienzeitalter bezeichnen darf, erscheint es mir nicht nur künstlerisch konsequent, sondern auch in Bezug auf Überlegungen, die die Effektivität betreffen, sogar höchst notwendig, die Form einer Medien-Kunst-Aktion zu wählen.

Kern der Aktion ist die grafisch gestaltete, elektronische Postkarte WYSIWYG – ein zweiseitiges PDF-Dokument, das als Anhang in einen E-Mail-Appell eingebettet und am Mittwoch, den 12. März 2014, anlässlich der Leipziger Buchmesse an ausgewählte Verlage in Österreich und Deutschland versendet wurde. Die Leipziger Buchmesse 2014 wurde deshalb zum Anlass genommen, weil sie in diesem Jahr den Schwerpunkt auf Literatur aus der Ukraine gelegt hatte und das Thema Krim dort in aller Munde war.

Die Intention dieser Aktion, hat nichts zu tun mit den üblichen Aktivierungsmails. Es geht weder darum, sich irgend wo anzumelden noch etwas weiterzuleiten (es wird zwar um Weiterleitung gebeten, aber es ist nicht das primäre Ziel); die einzige Aktivität, die gefordert wird ist, an den Begriff „Frieden“ zu denken, und ihn bei eigenen Überlegungen zumindest in Erwägung zu ziehen.

Es darf ruhig kritisch hinterfragt und von allen Seiten beleuchtet werden. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sorgfältiges Abwägen der Vor- und Nachteile jeden überzeugt (vom Wall-Street-Banker oder Großindustriellen über Arzt und Apotheker bis hin zum Regalschlichter in der Drogeriekette – ja sogar den Soldaten selbst, wenn man unterstellt, dass er kein Selbstmörder ist).

Und so ist das Kriterium für den Erfolg der Aktion ein eher qualitatives als ein quantitatives. Es geht nicht um empirische Analysen, statistische Auswertungen und schon gar nicht um Spenden für karitative Zwecke, sondern ausschließlich um die Akzeptanz einer logischen Aussage: „An Frieden zu glauben, ist die wichtigste Voraussetzung, um in Frieden leben zu können.“

Thank you very much for sharing!