Häufig gestellte Fragen


Was bedeutet Phunst und wie kam es dazu?

Ja zuerst einmal ist die Phunst eine dadaistische Schöpfung. Ich fuhr mit dem Zug, las einen Artikel im Falter über den Kunstmarkt, wo sich ja auch alles nur mehr um die Kohle dreht und um Personenkult und das eigentliche Werk zur Nebensache verkommt. Dabei fiel mir auf, dass sowohl Kunst als auch Kapital mit einem „K“ beginnt und ich dachte mir, wie es wohl wäre, wenn man statt dem „K“ für Kapital ein altgriechisches „Ph“ für Phantasie oder Philosophie einsetzt und geboren war die Phunst.
Ein paar Tage später wurde mir dann bewusst, dass dieses Wort- oder besser gesagt Buchstabenspiel sehr viel mehr war, als ein kleiner Gag. Ich begriff, dass damit in einem Wort alles ausgesagt ist, was mich antreibt, künstlerisch tätig zu sein.

Betrachten Sie die Phunst als neue Form von politischer Kunst?

Den Begriff politisch kann man gelten lassen. Im Grunde genommen ist alles politisch, auch untätiges Zusehen ist politisch, weil es den Status Quo stärkt. Wenn alles politisch ist, gilt bei strenger Logik, dass auch jede Kunst politisch ist und somit auch die Phunst. Entscheidend ist aber auf wessen Seite man steht. Die Phunst versucht, die Anliegen derer in den Fokus zu stellen, die nicht den Mainstream repräsentieren. Neu ist das sicher nicht und ob das gelingt, sei dahingestellt. Die Antwort wird das Publikum geben, denn es hat schließlich immer das letzte Wort.

Wie schaut Ihr persönlicher Beitrag zur „Weltverbesserung“ konkret aus?

Im Moment versuche ich über den Phunst-Begriff die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es höhere Werte gibt als Geld. Wir leben in einer Welt, die nur noch nach ökonomischen Regeln interpretiert wird. Ein Beispiel: Prof. Bernd Hansjürgens ist ein deutscher Volkswirt dessen Hauptverdienst es ist, dass er sich mit Umweltökonomik beschäftigt. Vereinfacht gesagt, er berechnet den Wert von Wasser und Sauerstoff, weil ansonsten kein Politiker mehr in der Lage ist, zu erkennen, dass Menschen auch atmen und trinken müssen. Nur wenn dafür irgend ein Geldwert existiert, kann dieser Posten überhaupt in der politischen Excel-Tabelle aufscheinen und beim nächsten Umweltgipfel BERÜCKSICHTIGT werden. Alles was keinen Geldwert hat, fällt unter den Tisch – ist einfach nicht existent und wenn es die eigene Mutter ist. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen drastisch, aber wenn die Muttermilch nicht in Heller und Pfennig ausgewiesen wird, scheint sie im Brutto-Nationalprodukt nicht auf und ist damit de facto WERTLOS. Wir haben uns mittlerweile so an diese Taxierungen gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr auffällt, wie widersinnig das alles ist. Hier möchte die Phunst ansetzen und Bewusstsein schaffen. Es kann doch nicht sein, dass Dinge wie Natur, Phantasie oder Liebe keinen Wert haben, nur weil man das nicht in Zahlen ausdrücken kann! Ich bin Techniker, ich weiß, welchen Stellenwert die Statik im Brückenbau hat, aber in meinem Leben hat sie keinen. Und wenn ich Wirtschaft studiert hätte, würde ich deshalb noch lange keine Soll- und Haben-Statistik über mein Intimleben führen. Das ist schlicht und einfach krank!

Warum glauben Sie, dass gerade mit Hilfe der Kunst bzw. der Phunst, wenn Sie so wollen, die Probleme der Welt gelöst werden können? Ist das nicht ein bisschen vermessen?

Das wäre es allerdings. Doch ich glaube ja nicht, dass die Kunst – und auch nicht die Phunst – irgend welche geselllschaftlichen Probleme löst. Was die Kunst jedoch auszeichnet, ist die absolute Freiheit, die man ihr zugesteht. Hier wird Querdenken nicht nur toleriert, sondern sogar gefordert und gefördert. 2015 habe ich gemeinsam mit anderen Künstlern ein Schulprojekt durchgeführt, wo es genau darum ging, dieses Querdenken in andere Bereiche hineinzutragen. In unserem Projekt „Von Süden nach Morgen“ war es der Bereich Technik, konkret die HTL Mödling im Süden von Wien. Man konnte deutlich beobachten, welche Schwierigkeiten die Schüler anfangs hatten, weil sie üblicherweise in eine ganz andere Richtung ausgebildet und erzogen werden. Erst nach und nach entfaltete sich das ganze Potential und am Ende des Tages sahen wir eine tolle Ausstellung mit überaus kreativen Arbeiten, die weit über den üblichen Rahmen hinaus wiesen und man konnte feststellen, dass kreative Entfaltung auch in den Bereichen Wissenschaft und Technik zu hervorragenden Ergebnissen führt.

Sie haben Ihre künstlerische Laufbahn erst mit 50 begonnen, sind also ein sehr „Spätberufener“. Warum?

Das hat vor allem damit zu tun, dass ich schon mit 23 eine eigene Familie hatte und einen sogenannten „Brotberuf“ brauchte, um genug Geld zu verdienen. Ich war Student und arbeitete nebenbei am Theater, als meine erste Tochter zur Welt kam. Das war gerade die Zeit, als die ersten Personalcomputer leistbar wurden. Ein guter Freund empfahl mir, dass ich mir einen Mac kaufen sollte, was ich mit etwas Skepsis auch tat, und bis heute nie bereut habe. Damit waren die Weichen gestellt und ich fing an, mich mit Computergrafik zu beschäftigen, was damals fast zwangsläufig dazu führte, dass ich in der Werbebranche landete.

Medien sind offenbar ein wichtiges Thema in Ihrer Arbeit, denn in Ihrem, 2014 entstandenen, Medienkunstwerk WYSIWG geht es nicht nur um friedliche Koexistenz, sondern auch um die Rolle der Medien. Wie kam es dazu und wie waren die Reaktionen?

WYSIWYG entstand als Reaktion auf die Medienberichterstattung rund um den Ukraine-Konflikt im Frühjahr 2014. Ich hatte das Gefühl, dass die Medienberichterstattung hier in Österreich, in einem angeblich immer noch NEUTRALEN Land, den sprachlichen Duktus von Kriegshetze annahm. Nicht einmal in den 60er und 70er Jahren, also in den Zeiten des Kalten Krieges hatte ich so etwas vernommen. In keinem einzigen Satz war die Rede von Verhandlungen oder diplomatischen Vermittlungsbemühungen, es ging nur noch um wirtschaftliche Sanktionen und militärische Interventionen. Es war echt beängstigend und ich wollte das auf keinen Fall tatenlos hinnehmen. Die Leipziger Buchmesse stand bevor und hatte sich als Thema den Ukraine-Konflikt vorgenommen und so kam ich auf die Idee eine elektronische Postkarte zu versenden. Das Motiv war schnell gefunden: Ich hatte ein paar Wochen zuvor den Abriss eines Bauwerkes fotografiert und darauf war jede Menge Schutt zu sehen – eines der Ergebnisse von Krieg. „What You See Is What You Get“ dachte ich beim Anblick der Bilder und das passte perfekt zum Thema.

Thank you very much for sharing!